Pferdehilfe Sonnenhof

Ohne Worte: Bilder, die den Pferdesport entlarven

· Nico Welp

Manchmal braucht es keine langen Erklärungen. Manchmal reicht ein einziger Blick – auf ein schweißnasses Pferd mit aufgerissenem Maul, auf geschwollene Beine unter einem glänzenden Showkoat, auf einen zusammengebrochenen Rennpferden im Zieleinlauf. Bilder, die in Sekundenbruchteilen zeigen, was tausend Worte nur mühsam beschreiben können.

Dieser Beitrag ist eine Dokumentation. Keine Anklageschrift, kein erhobener Zeigefinger. Nur Momente, die für sich sprechen.


Das aufgerissene Maul

Auf Turnieren weltweit zu sehen, von der kleinen Kreismeisterschaft bis zu Olympia: ein Pferd im Galopp, den Kopf weit hinuntergedrückt, das Maul weit geöffnet, die Zungenspitze bläulich verfärbt. Die Zügel kurz, die Reiterhand hart. Das Tier kämpft – nicht gegen einen Gegner, sondern gegen den Druck auf seinen empfindlichsten Strukturen.

Ein aufgerissenes Maul ist kein Ausdruck von Energie oder Begeisterung. Es ist Schmerzreaktion. Punkt.


Das glänzende Showpferd mit geschwollenen Beinen

Die Mähne geflochten, das Fell gebürstet bis zum Hochglanz, die Ganasche frisch rasiert. Für das Foto: perfekt. Doch wer genauer hinsieht, erkennt die dicken Knöchel, die verhärteten Sehnen, die Verbände, die kurz vor dem Einreiten noch abgenommen wurden.

Viele dieser Pferde stehen nach einem Turnierwochenende drei Tage in der Box, mit Eisbeuteln an den Beinen, bevor sie wieder vorgestellt werden. Das Publikum sieht nur den strahlenden Moment. Nicht den Rest.


Das Rollkur-Foto, das viral geht – und nichts ändert

Es gibt Bilder, die erschüttern. Ein Pferd in extremer Überbeugung, der Hals fast senkrecht nach unten gepresst, die Augen hervorgequollen, sichtbar unter Stress. Solche Fotos tauchen immer wieder auf, werden geteilt, kommentiert, verurteilt.

Und dann passiert: nichts.

Rollkur – offiziell als „hyperflexion" bekannt und von der FEI zumindest in der öffentlichen Aufwärmphase untersagt – ist auf Abrufvideos von Profis weltweit zu sehen. Das Verbot existiert auf dem Papier. Die Praxis existiert in den Ställen.


Rennpferde: Das Ziel ist die Ziellinie

Ein Foto vom Pferderennen zeigt selten das, was danach kommt. Dabei sind die Bilder aus den Stallgassen nach einem harten Rennen eindeutig: zitternde Flanken, völlig erschöpfte Tiere, manche mit Blutungen aus der Lunge – einer Erkrankung namens EIPH, exercise-induced pulmonary hemorrhage, die bei einem signifikanten Anteil der Vollblüter nach intensiver Belastung auftritt.

Was man auf den offiziellen Rennfotos sieht: die Siegerpose, der Champagner, der strahlende Trainer.

Was man nicht sieht: die Tiere, die nach einer Verletzung auf der Rennbahn eingeschläfert wurden, weil ihre Versicherungssumme die Behandlungskosten nicht gedeckt hätte.


Zirkuspferde: Freiheit als Inszenierung

Ein weißes Pferd steht auf einer Trommel, die Vorderbeine angehoben, der Blick nach vorne gerichtet. Das Publikum applaudiert. Das Bild vermittelt Magie, Eleganz, eine besondere Verbindung zwischen Mensch und Tier.

Was das Bild nicht zeigt: die Stunden im engen Transportwagen, die Nächte in provisorischen Ständen, das jahrelange Training mit Methoden, die außerhalb der Zirkuszelte als Tierquälerei bezeichnet würden.


Was das Tierschutzgesetz sagt – und was passiert

Das Tierschutzgesetz ist eindeutig: Wirbeltieren dürfen ohne vernünftigen Grund keine Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden. So steht es in § 1.

Und doch: Bilder von hyperflexierten Pferden werden unter dem Begriff „Training" eingeordnet. Rennverletzungen gelten als „bedauerliche Unfälle". Zirkusdressur heißt „Kunst". Sprache schützt die Praxis, die Bilder widerlegen sie.


Bilder, die wir nicht vergessen sollten

Ein altes Pferd, Rippen sichtbar unter dem dünnen Fell, das an einem Anhänger festgebunden auf einem Schlachthofparkplatz steht. Daneben: die Kaufquittung für einen jüngeren, leistungsfähigeren Ersatz.

Ein Warmblüter nach einer Verabschiedung aus dem Spitzensport: Arthrose in beiden Sprunggelenken, Nervenausfälle im Rücken, chronische Magenprobleme – alles Spätfolgen einer Karriere, die mit drei Jahren begann.

Ein Youngster beim ersten Anreiten, noch kein dreijähriges Fohlen, mit einem Erwachsenen auf dem Rücken. Weil der Käufer ihn schnell in den Parcours bringen will.


Hinschauen ist keine Kleinigkeit

Es ist nicht angenehm, diese Bilder zu sehen. Es ist auch nicht angenehm, über sie zu schreiben. Aber Wegschauen ist das, was diese Praxis seit Jahrzehnten möglich macht.

Wer hinschaut, beginnt Fragen zu stellen. Wer Fragen stellt, verändert etwas – vielleicht nur die eigene Haltung, vielleicht die Wahl, welchen Stall man unterstützt, welchen Turnierveranstalter man besucht, welche Ausbildungsmethoden man akzeptiert.

Bilder können das. Wenn wir sie lassen.